|
Zwei Flusslandschaften prägen das nördliche Baden-Württemberg. Zum einen ist es der Rhein (Oberrhein), der auf einer Länge von 437 Kilometern durch das Land fließt bzw. die Grenze zu Frankreich und Rheinland-Pfalz bildet, zum anderen sein 367 Kilometer langer Nebenfluss Neckar, der im östlichen Schwarzwald entspringt, die Landeshauptstadt Stuttgart durchfließt und bei Mannheim mündet. Die zahlreichen Nebenflüsse des Neckars unterteilen das Südwestdeutsche Schichtstufenland in einzelne Höhenzüge.
Oberrhein und Odenwald
Im Westen, an der Grenze zu Rheinland-Pfalz und Frankreich, verläuft die Bruchzone des Oberrheinischen Tieflandes. Im Tertiär kam es zu einer starken Einsenkung des Grabenbruchs, ein Vorgang, der auch heute noch nicht abgeschlossen ist; manchmal kommt es zu leichteren Erdbeben. Auch die zahlreichen Thermalquellen an den Grabenrändern deuten auf tektonische Aktivitäten hin.
Nach der Rheinregulierung blieben die abgeschnürten Rheinmäander als Alt-Rheinarme zurück. Einige der empfindlichen Auenlandschaften stehen unter Naturschutz, z. B. die Ketscher Rheininsel bei Ketsch (Gradfeld C 2). Dank des milden Klimas und guter Böden werden die höher gelegenen Flussterrassen und Grabenränder intensiv landwirtschaftlich genutzt. Neben Weinbau gibt es zahlreiche Sonderkulturen, etwa Spargel zwischen Schwetzingen (Gradfeld C 2) und Rastatt (B 3) oder Zwetschgen bei Bühl (B 3).
Beiderseits des Rheingrabens erheben sich die Randgebirge Odenwald und Schwarzwald im Osten sowie Pfälzer Wald und Vogesen im Westen. Der Odenwald gliedert sich in den Vorderen (oder Kristallinen) Odenwald und den Hinteren (oder Sandstein-) Odenwald. Die höchste Erhebung des Odenwalds ist mit 626 Metern der Katzenbuckel (Gradfeld D 2), dessen Kuppe das umgebende Sandsteinplateau sichtbar überragt.
Gäulandschaften und Schichtstufen
Nach Süden fällt der Odenwald zum hügeligen Kraichgau ab, das wiederum im Süden vom Schwarzwald und im Osten vom Neckar begrenzt wird. Die Gäulandschaften des Kraichgau und des Neckartals sind von fruchtbaren, lösshaltigen Böden geprägt, die einen intensiven Ackerbau ermöglichen. Lössablagerungen prägen auch den Pfinzgau zwischen Karlsruhe und Pforzheim sowie das Strohgäu östlich von Pforzheim (jeweils Gradfeld C 3). Die zum Teil waldbedeckten, zum Teil mit Weinreben bestandenen Erhebungen Stromberg und Heuchelberg überragen das Lösshügelland im Osten (Gradfelder C/D 2).
Stuttgart liegt im breiten Neckarbecken (Gradfeld D 3), das im Osten von den Schwäbisch-Fränkischen Waldbergen überragt wird. Zu den Schwäbisch-Fränkischen Waldbergen zählen Schurwald, Welzheimer Wald, Murrhardter Wald, Löwensteiner Berge, Mainhardter Wald, die Limpurger Berge und die Ellwanger Berge.
Bekannte Gäulandschaften sind auch das Bauland ganz im Norden und die hügelige Hohenloher Ebene, die sich zwischen Neckar und Tauber halbkreisförmig um die Waldberge erstreckt und von den windungsreichen Flussläufen der Jagst und des Kocher durchzogen wird.
E. Astor, S. Lemke
|