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Rio de Janeiro – Segregation

aus 978-3-14-100263-8 auf Seite 165 Abb. 3
Diercke Karte Rio de Janeiro – Segregation

 
Rio de Janeiro – Segregation

Mit über 11,5 Millionen Einwohnern ist Rio de Janeiro nach São Paulo (19,5 Millionen Einwohner) die zweitgrößte Agglomeration (Großstadtregion) Brasiliens. Die Probleme dieser städtischen Ballungsgebiete sind ähnlich und betreffen vor allem die Bereiche Wohnen, Versorgung und Entsorgung, Verkehr und Umwelt. Die damit zusammenhängenden Schwierigkeiten treten in Rio de Janeiro besonders auffällig in Erscheinung.

Sozialräumliche Gliederung
Zu den Wohnviertel der reichen Oberschicht gehören Copacabana, Ipanema, Leblon in der „Zona sul“ (südliche Zone) und Barra da Tijuca in der „Zona oeste“ (östliche Zone). In den letzten Jahren sind in den Wohnvierteln der Oberschicht verstärkt bewachte Wohnkomplexe entstanden, so genannte „Condominios“ oder „Gated Communities“. In den Gated Communities schotten sich die Bewohner durch Mauern und Zäune, privates Sicherheitspersonal und Kameraüberwachung von der übrigen Gesellschaft ab. In Rio de Janeiro gibt es bereits über 20 solcher Wohnviertel. In den letzten Jahren haben sich Gated Communities zu einem typischen Merkmal von Schwellenländern entwickelt. Die ausgeprägten sozialen Disparitäten (d. h. Unterschiede im Einkommen und Status der Bewohner) dieser Länder führen dazu, dass die Oberschicht zunehmend das Bedürfnis hat sich von der Unterschicht abzugrenzen.
Das Gegenstück zu den Vierteln der Oberschicht bilden die erheblich zahlreicheren Marginalviertel (Slums bzw. Favelas), die in die Wohnviertel der Unterschicht eingestreut sind. Im engeren Bereich der Stadt gibt es rund 80 solcher Favelas. Sie beherbergen etwa 40 Prozent der Bevölkerung. Die grundlegende Infrastruktur, zum Beispiel die Versorgung mit Trinkwasser und die Entsorgung von Abfall und Abwasser, ist in all diesen Vierteln vollkommen unzureichend. Zudem herrscht in vielen Favelas eine hohe Kriminalität, da die Einwohner sehr arm sind.

Umweltrisiken und Verkehr
Um die Wohnräume in Rio de Janeiro zu sichern, wurden am Stadtrand einige Naturparks ausgewiesen. Der Grund für die Einrichtung der Schutzgebiete war, dass die städtische Bebauung immer höher an den Bergflanken hinaufwuchs. Dadurch wurde die schützende Walddecke an vielen Stellen zerstört. Die Folgen waren Hangrutschungen, die zur Zerstörung ganzer Stadtbereiche führten. Bei einer Hangrutschung lösen sich die oberen Erdschichten der Berghänge und rutschen, zum Beispiel nach starken Regenfällen, wie eine Lawine ins Tal. Betroffen von diesen Katastrophen waren meistens die Wohngebiete der Unterschicht und die Elendsviertel. Die Wohnquartiere des besser gestellten Teils der Bevölkerung liegen dagegen entlang der Küstenabschnitte, außerhalb der Einflüsse derartiger Umweltkatastrophen.
Ein weiteres großes Umweltproblem in Rio de Janeiro ist das Abwasser. Jahrzehntelang waren alle Abwässer vollkommen ungeklärt in die Bucht von Guanabara oder in den Atlantischen Ozean geleitet worden. Die Bucht von Guanabara hatte sich dadurch im Laufe der Zeit zu einem Sammelbecken für die Abwässer von Millionen von Einwohnern entwickelt. Und noch immer werden viele Abwässer aus Haushalten und Industrie ungeklärt in der Bucht oder dem Meer entsorgt.
Hinzu kommt die Luftverschmutzung. Schädliche Emissionen gelangen vor allem aus der Müllverbrennung, dem starken Verkehr und der Industrieproduktion in die Atmosphäre.
K. Kremb, M. Schneider, S. Lemke



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