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Industrielle Entwicklung in Deutschland im 19. Jahrhundert

aus 978-3-14-100263-8 auf Seite 209 Abb. 3
Diercke Karte Industrielle Entwicklung in Deutschland im 19. Jahrhundert

 
Industrielle Entwicklung in Deutschland im 19. Jahrhundert
Die Karte zeigt die Gewerbelandschaften um 1800, den Bergbau und die Industrie, die Entwicklung der Verkehrswege sowie Landflucht, Auswanderung und Städtewachstum. Diese Prozesse hingen mit der Industrialisierung zusammen und veränderten maßgeblich das Siedlungsbild sowie die Bevölkerungsstruktur Deutschlands.
Gewerbelandschaften um 1800
Bedeutende Gewerbelandschaften um 1800 waren vom Textilgewerbe oder einem Zusammenspiel aus Bergbau, Verhüttung und Metallverarbeitung (Montangewerbe) geprägt.
Textile Gewerbelandschaften entwickelten sich oft im Vorland von Mittelgebirgslandschaften oder in den Mittelgebirgen selbst. In den Mittelgebirgen beeinflusste die Suche nach Erwerbsmöglichkeiten außerhalb der Landwirtschaft die Ansiedlung des Textilgewerbes. Für Mühlen bestanden an gefällereichen Gebirgsbächen günstige Voraussetzungen für die Energiegewinnung. Teilweise gab es eine regionale Rohstoffbasis für das Textilgewerbe. Die Betriebsstrukturen waren bis 1840 überwiegend handwerklich und gewerblich bestimmt.
Die von der Montanindustrie geprägten Gewerbelandschaften zeigen ausnahmslos eine Bindung an die Vorkommen von Kohle und/oder Erzen in den Mittelgebirgslandschaften oder ihren Vor- und Binnensenken. Bis in das 19. Jahrhundert hinein spielten die Holzvorkommen in den Mittelgebirgen für die Verhüttung eine entscheidende Rolle.
Neben dem Textilgewerbe und der Montanindustrie hatten in der Frühphase der Industrialisierung das Glas- und Keramikgewerbe, die Papierherstellung und die Nahrungs- und Genussmittelverarbeitung Bedeutung.
Industrialisierung
Wichtige Impulse der Industrialisierung waren der Durchbruch der modernen Schwerindustrie und der Bau der Eisenbahnen. In den 1840er-Jahren setzte damit eine erste Welle der Industrialisierung ein, die geprägt war vom Steinkohlenbergbau, der Eisen- und Stahlerzeugung, der Metallverarbeitung und dem Schienenfahrzeugbau. Der mit Abstand wichtigste Standort in Deutschland war der Raum Rhein-Ruhr. Die Eisenbahn ermöglichte einerseits die Erschließung neuer Standorte, den effizienten Transport von Rohstoffen und die Verbindung zu den großen Häfen an der Nordseeküste. Andererseits wurde sie selbst einer der wichtigsten Abnehmer der Montanindustrie. Darüber hinaus spielten technische Neuerungen, die Bevölkerungszuwanderung und der politische Wille zur Industrialisierung in Preußen eine entscheidende Rolle. Außer dem Ruhrgebiet waren Oberschlesien und das Saarland die wichtigsten Standorte dieses durch die Montanindustrie geprägten Typs von Industrieregion.
Aus den Handwerks- und Gewerbebetrieben der Textilbranche entwickelte sich die Textilindustrie, unter ähnlichen Bedingungen entstanden die Glas-, Keramik- und Porzellanindustrie.
Eine zweite Industrialisierungswelle in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war geprägt von der Entwicklung der Elektrotechnik, der Optik und der Chemie bzw. Gummiverarbeitung, später auch von der Kraftfahrzeugindustrie. Diese Industrien entwickelten sich oft an verkehrsgünstigen Standorten ohne Rohstoffvorkommen außerhalb der Montanregionen.
Infrastruktur
Die Karte zeigt zudem den Zustand des Eisenbahnnetzes 1850 und 1871 sowie den Bau und Ausbau von Kanälen für die Binnenschifffahrt. Die Bahnlinien 1850 verbanden die Altindustrieräume untereinander, aber auch mit den Nordseehäfen und mit Berlin. Der Ausbau der Kanäle zeigt die damalige Bedeutung der Binnenschifffahrt. Hauptstrecken in Norddeutschland waren die großen nach Norden fließenden Flüsse, zu denen auch die neu gebauten Kanäle führten. In Süddeutschland hatten der Rhein und die Main-Donau-Verbindung Bedeutung.
S. Heise (nach M. Felsch)


Stichworte: Bergbau Deutschland Gewerbelandschaft Gewerbelandschaften Industrie


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