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Natürliche Bevölkerungsentwicklung

aus 978-3-14-100263-8 auf Seite 55 Abb. 3
Diercke Karte Natürliche Bevölkerungsentwicklung

 
Natürliche Bevölkerungsentwicklung

Hinsichtlich der natürlichen Bevölkerungsentwicklung sind sowohl innerhalb der alten (westlichen) Bundesländer als auch innerhalb der neuen (östlichen) Bundesländer größere räumliche Unterschiede zu erkennen. Insgesamt sind in den östlichen Bundesländern jedoch stärkere Abnahmen der natürlichen Bevölkerung zu verzeichnen als in den westlichen Bundesländern, wo in etlichen Landkreisen die natürliche Bevölkerung sogar zunimmt. Auffallend ist jedoch, dass auch in den westlichen Bundesländern in einigen Verdichtungsräumen (Ruhrgebiet, Saarland, Bremen, Hamburg) sowie in vielen ländlichen Räumen (Rheinland-Pfalz, Nordhessen, südliches Niedersachsen, Teile Schleswig-Holsteins, nördliches Franken) eine Abnahme der natürlichen Bevölkerung festzustellen ist.

Ursachen der unterschiedlichen Bevölkerungsentwicklung in den westlichen Bundesländern
Die Ursachen für die unterschiedliche Entwicklung in den westdeutschen Bundesländern liegen überwiegend im Altersaufbau der Bevölkerung. Aber auch die Binnenwanderung (Wanderung innerhalb eines Landes) spielt eine wichtige Rolle. So gibt es zum Beispiel in Niedersachsen auffällig viele Wegzüge. Da meistens jüngere Menschen die Region verlassen, ist diese Entwicklung mit entsprechend weniger Geburten verbunden. Im nördlichen Rheinland-Pfalz und Teilen Schleswig-Holsteins kommt es dagegen zu einem verstärkten Zuzug von über 50-Jährigen. In dieser Region wird die Bevölkerung immer älter. Mit solchen Wanderungsbewegung sind demnach Veränderungen der Altersstruktur und der Geburtenrate verbunden.
Umgekehrt kann eine starke Zuwanderung junger Menschen auch den Trend einer positiven natürlichen Bevölkerungsentwicklung verstärken. Wohnen mehr junge Menschen in einer Region, steigen tendenziell auch die Geburtenzahlen.
Weitere wichtige Einflussgrößen beeinflussen zwar auch die Bevölkerungsentwicklung, können in Karten aber kaum dargestellt werden. Dazu zählen zum Beispiel die Zugehörigkeit zu einer Religion, der Anteil ausländischer Bevölkerung, die Förderung der Familie durch den Staat (z. B. Kindergeld, Förderung der Teilzeitarbeit) oder Veränderungen in der Familienplanung (z. B. Zahl der gewünschten Kinder pro Familie, Zeitpunkt der Familiengründung, Verbindung von Beruf und Familie). Die genannten Faktoren können eine positive natürliche Bevölkerungsentwicklung auslösen (Beispiele für solche Tendenzen finden sich im westlichen Niedersachsen, nördlichen Nordrhein-Westfalen und in großen Teilen Süddeutschlands).
In Süddeutschland werden Unterschiede zwischen dem ländlichen Raum und den Städten deutlich. Die Ursachen dafür liegen ebenfalls im Altersaufbau der Bevölkerung. In den Städten leben überdurchschnittlich viele ältere Menschen bzw. junge Singles, während Familien mit Kindern sehr häufig aus den Städten in das unmittelbare Umland der Städte ziehen und dort eine überdurchschnittliche Verjüngung bewirken.

Entwicklung in den östlichen Bundesländern
Überdeutlich zeigen sich die Auswirkungen der deutschen Wiedervereinigung an der natürlichen Bevölkerungsbewegung in den östlichen Bundesländern. Die Geburtenrate ist dort ohne Ausnahme stark zurückgegangen. Am größten ist die Abnahme in den relativ dicht besiedelten industrialisierten Räumen (Zittau, Westsachsen, südliches Sachsen-Anhalt). Viele junge Menschen finden hier nur schlecht einen Arbeitsplatz und ziehen weg.
M. Felsch, W. Storkebaum, M. Schneider, S. Lemke



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