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Aralsee – Landschaftswandel 1960/2010

aus 978-3-14-100263-8 auf Seite 99 Abb. 4
Diercke Karte Aralsee – Landschaftswandel 1960/2010

 
Aralsee – Landschaftswandel 1960/2010

Das langsame Verschwinden des Aralsees gilt als eine der größten Umweltkatastrophen, die der Mensch im 20. Jahrhundert verursacht hat. Die vom Aralsee eingenommene Fläche hat sich in den Jahren zwischen 1960 und 2010 von 68 000 km² auf rund 21 000 km² und damit auf etwa ein Drittel seiner ursprünglichen Größe verringert. Der einstige Fischerort Muinak, in dem vor nicht langer Zeit noch tausende Menschen vom Fischfang und der Fischverarbeitung lebten, ist heute eine Wüstenstadt. Verrostete Schiffswracks liegen mehr als 100 Kilometer vom Aralsee entfernt auf dem Trockenen. Trotz zahlloser Umweltkonferenzen hat sich der Rückgang des Sees fast ungebrochen fortgesetzt. War der südliche und größere der beiden Restseen vor einigen Jahren noch ein geschlossenes Gewässer, ist er heute im Süden vollständig ausgetrocknet und teilt sich im Norden in zwei kleine Seen, die nur über einen schmalen Fluss miteinander in Verbindung stehen. Durch den Bau von Dämmen und die Ausbesserung der Bewässerungskanäle versucht Kasachstan mit Unterstützung der Weltbank, den Wasserstand im kleinen Aralsee zu stabilisieren. Dort haben sich der Wasserstand und die Wasserqualität wieder erholt und der Fischreichtum steigt wieder an.

Vom Binnensee zur Wüstenlandschaft
Die unmittelbare Ursache für das Verschwinden des Aralsees war, dass über die beiden Flüsse Amudarja und Syrdarja statt der einstmals 56 km³ durchschnittlich nur noch fünf km³ Wasser in den See flossen. In den meisten Jahren erreichten sie den See gar nicht mehr. Da sich der Aralsee in einem Trockenraum mit hohen Sommertemperaturen befindet, war die Verdunstung sehr groß. Die mittlere Jahresniederschlagssumme liegt regelmäßig unter 250 Millimetern. Die geringen Regenfälle reichen bei weitem nicht aus, die Verdunstungsverluste auszugleichen.
Durch die Verdunstung des Wassers nahm der Salzgehalt im See zu. Der hohe Eintrag von Düngemitteln aus den bewässerten Ackerflächen verstärkte diesen Prozess. Die ehemaligen, heute trockengefallenen Seeflächen sind von ausgedehnten Salzflächen bedeckt. Die 1960 noch vorhandenen Auenwälder in den Flussmündungen sind ganz verschwunden. Der Fischfang musste in den 1980er-Jahren eingestellt werden. In den noch vorhandenen Wasserflächen des Großen Aralsees sind kaum noch Fische zu finden.

Landschaftswandel durch Bewässerung
Die wichtigste Ursache für die Veränderungen am Aralsee war die zunehmende Nutzung der Flüsse Amudarja und Syrdarja für die Bewässerung der Reis- und Baumwollfelder. Hintergrund dieser Maßnahmen war der „Kalte Krieg“. Um vom (westlichen) Ausland unabhängig zu werden, beschloss die Führung der Sowjetunion in den frühen 1960er-Jahren, den Anbau von Reis und Baumwolle zu steigern. Da Reis und Baumwolle einen sehr hohen Wasserbedarf haben, musste ein riesiges Bewässerungssystem errichtet werden. Gespeist wurde dieses vom Wasser der beiden Flüsse. Die Wasserentnahme gipfelte Anfang 1974 in einer vollständigen Blockade des Syrdarja, 1982 folgte die Blockade des Amudarja.
Die ehemaligen Bewässerungsflächen sind heute von starker Bodenversalzung betroffen. Nach der Bewässerung der Felder verdunstete ein Großteil des Wassers in dem heißen Wüstenklima und hinterließ salzige Rückstände.
M. Felsch, M. Schneider, S. Lemke



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